Bryan Adams im Hallenstadion

geschrieben von Leandra Jordi

Best of Hausfrauenrock

Konzerte von Bryan Adams sind Selbstläufer. Jedenfalls gab es im Vorfeld kaum Werbung und trotzdem ist das Hallenstadion fast ausverkauft. Aber das ist kein Wunder, der Kanadier liefert stets eine gute Leistung ab und dieses Mal scheint er besonders gut drauf zu sein. Es ist die Tour zum aktuellen Album „Get Up“ und doch ist die Setlist prall gefüllt mit Hits. Und von denen hat Adams so einige: „Cuts Like A Knife“, „Please Forgive Me“, „Straight From The Heart“, „(Everything I Do) I Do It For You“, „Run To You“, „18 Til I Die“, „Back To You“  ... Immer wieder denkt man sich „Ah ja, das ist ja auch noch von ihm“.

Die neuen Lieder sind klar in der Minderheit und werden auch nicht so sehr abgefeiert wie die Klassiker, schlecht sind sie deswegen trotzdem nicht. Beim neuen Werk fällt aber vor allem die Ästhetik des Drumherum auf. Diese wunderschönen Videos in Schwarz-Weiss zum Beispiel. Ganz toll ist dasjenige zu „Brand New Day“, in dem Schauspielerin Helena Bonham Carter und Theo Hutchcraft von Hurts mitspielen. Aber auch musikalisch hat „Get Up“ solides Handwerk zu bieten. Vor allem der Rockabilly-Song „You belong to me“ kommt gut. Darauf folgt – ohne Vorwarnung – „Summer of 69“, noch immer einer der besten Songs ever und dementsprechend ist die Stimmung im Hallenstadion. Und zu diesem Zeitpunkt hat Bryan Adams noch keine Stunde gespielt, und wird es am Ende auf fast zweieinhalb bringen.

Leider kam Tina Turner für „It’s Only Love“ nicht vorbei, obwohl sie doch nun wirklich nicht weit gehabt hätte. Auch Spice Girl Mel C („When You’re Gone“) sowie Rod Stewart und Sting („All For Love“) fehlten. Dafür hat der Musiker eine Anekdote über Joe Cocker im Gepäck, den er als Vorbild bezeichnet. Weil Adams damals für Cocker an „When The Night Comes“ mitgeschrieben hatte, besuchte er ihn im Studio. Dort trank der Ende 2014 verstorbene Musiker offenbar eine Cola. Als Bryan auch eine haben wollte, antwortete Joe, es handle sich dabei aber um eine „Joe-Cola“. Bryan Adams lacht und sagt: „Nach dieser einen Joe-Cola weiss ich vom Rest des Abends nicht mehr wirklich viel.“

An der Bühne hängen kleine Plakate, auf denen steht, der Künstler bitte darum, keine Handyfotos zu machen. Bei einer Ballade bittet Bryan dann aber gerade darum, dass alle ihre Handys rausholen, um das Hallenstadion in ein Lichtermeer zu verwandeln. Was ist nur aus der guten alten Romantik von Feuerzeugflämmchen geworden... Am Ende der Show holt der Handyfotohasser dann sogar selber sein Handy hervor, um eine Flagge zu fotografieren. „The only thing that looks good on us is ... YOU“ steht da. Das Foto landet auf Instagram, Bryan Adams schreibt dazu „Zürich! Love ya!“.

Für „If Ya Wanna Be Bad, Ya Gotta Be Good“ sucht er „a wild woman“ im Publikum und wurde auf den Sitzplätzen fündig. Die junge Frau tanzte zu dem Song und erhielt dafür T-Shirts. Bryan sagte jedoch, sie solle diese nicht an ihre Freunde verteilen – schliesslich seien diese einfach aus dem Bild „geflohen“, als sie ausgewählt wurde.
Die Stimmung ist durchwegs gut, sowohl im Publikum als auch auf der Bühne. Trotz grosser Routine (der 56-Jahrige ist seit Mitte der 1970er-Jahre aktiv) hat Bryan Adams noch immer grossen Spass daran, live zu spielen. Zusammen mit seiner Band, in der vor allem Lead-Gitarrist Keith Scott (seit 1981 dabei) brilliert, brennt er sein Feuerwerk an Hits ab.
Den Zugabenblock bestreitet er dann fast alleine, unter anderem mit dem Elvis-Song „All Shook Up“ und Akustik-Versionen seiner Hits. Und es fällt wieder auf: Dieser Mann hat einfach verdammt viele gute Songs geschrieben! Dieses oft gehörte „Hausfrauenrock“-Etikett greift einfach zu kurz. Oder es ist ab jetzt ein Kompliment.


Anmerkung zu den Bildern: Bryan Adams ist selber Fotograf und beeindruckt mich persönlich mit seinen kunstvollen Schwarz-Weiss-Fotos. Ausserdem steht er auf Actionbilder, wie er selber sagt. Deshalb diese Auswahl an Bildern von seinem Konzert, an dem für die Fotografen gerade mal 2 Minuten und 20 Sekunden Einsatzzeit erlaubt wurden. Gemäss Vertrag dürfen wir ausserdem nicht mehr als 6 Fotos zeigen.