Candomblé in Cachoeira

geschrieben von Ilona Weber

Zu Gast bei der Mutter der Menschheit

Am Ufer des Flusses Paraguaçu, im brasilianischen Bundesstaat Bahia, befindet sich das verschlafene Städtchen Cachoeira. Da es der letzte Ort am Fluss ist, welcher beschifft werden kann, war er während der kolonialen Besatzung ein wichtiger Handelsort für Sklaven. Heute ist der Ort wichtig für Candomblé Anhänger.

Der Begriff Candomblé umfasst eine Vielzahl von religiösen Strömungen afrikanischer Herkunft. Die Götter, Sprache und Traditionen wurden von der jeweiligen Herkunftsregion der Sklaven übernommen und vermischt mit neuen Ritualen und Katholizismus, welcher eigentlich allen Neuankömmlingen aufgezwungen werden sollte.

Eine der am weitesten verbreiteten Strömungen entstammt der Yoruba Stämme (das Volk lebt Heute hauptsächlich im westlichen Nigeria), die Lieder der Zeremonien werden auch Heute noch in der Yoruba Sprache gesungen. Ich bin nach Cachoeira gereist um einem Fest zu Ehren der Orixá (Gotter/ Naturkräfte) Yemanyá beizuwohnen. Yemanyá wird als Mutter der gesamten Menschheit aber auch als Beschützerin der Fischer und Seefahrer im Allgemeinen verehrt, sie soll allen Flüssen, Seen und Meeren inne wohnen. Jedem der Orixás ist sind eigene Trommel Rhythmen und Farben zugeordnet. Yemanyás Farben sind blau und weiss, so sind Heute die meisten Anhänger in diesen Farben gekleidet.

Von hypnotisierenden Trommel Rythmen begleitet, tauchen nach und nach die verschiedenen Gruppen von Gläubigen auf und bewegen sich tanzend und gut gelaunt dem Wasser zu. Einige der Mitglieder befinden sich in Trance, der Glaube besagt, dass sie während gewissen Ritualen als Medium von den Göttern besessen werden. Auf ihren Köpfen balancieren Opfergaben für Yemanyä, diese bestehen aus Blumen, Kuchen und Cachaça (brasilianischer Zuckerrohrschnaps). Um Ufer des Flussen angekommen, besteigen sie Boote und fahren auf das Wasser hinaus um die Opfergaben darzubringen. Wenn die Boote wieder anlegen, werden sie mit frenetischem Applaus begrüsst.

Irgendwann geht die religiöse Zeremonie in eine Samba Party über. Eine traditionelle Samba Band mit Durchschnittsalter ü70 spielt mit Tambourin, Gittarre und Trommeln Lieder, welche allen bekannt sind. Jung, alt, schwul,transsexuell, weiss, schwarz, Pai-de-santo/ Mae-de-Santo(Priester/Priesterinnen), Touristen, alle tanzen zusammen, niemand wird schräg angeschaut. Die Priester tanzen tanzen von allen am besten, ist dieses Element doch Gegenstand jeder religiösen Zeremonie. Candomblé ist eine zutiefst lebensbejahende Religion, das Konzept von gut und böse existiert nicht in der Form wie wir es kennen."

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