Interview mit The Boss Hoss

geschrieben von Melek Sarikurt & Danijela Suvacarov

„The Boss Hoss wird keine deutschsprachige Band“

Im Vorfeld des ProSieben Mountain Jams hat festivals.ch The Boss Hoss zum Interview getroffen. Für  einmal wollten wir von Alec Völkel und Sascha Vollmer das wissen, was festivals.ch-User und -Follower sie fragen würden. Die beiden zeigten sich sehr offen, gut gelaunt und gaben auch auf die kurioseste Frage eine Antwort.

Wovon lasst ihr euch bei eurer Musik inspirieren?
Sascha Vollmer: In unserer Musik steckt viel Historie. Darin schlägt sich das nieder, was wir selber in den vergangenen 40 Jahren musikalisch konsumiert und genossen haben. Natürlich spielt der Lifestyle auch eine Rolle, denn wir leben unsere Musik auch.

Welche Einflüsse sind das?
Alec Völkel: Ach, das waren ganz viele. In erster Linie alles amerikanisch-inspirierte, Rock’n’Roll, Blues, Country, Metal. Die Wurzeln der amerikanischen Rockmusik sind sozusagen auch unsere Wurzeln. Über die Jahre hat sich dies dann verändert. Ich habe mit Metal angefangen, danach kamen Grunge und Gitarrenmusik, Punk Rock. Alles, was du so hörst, was Spass macht und was du geil findest. Als wir begannen, Country-Musik auszuprobieren, haben wir all diese Einflüsse mit in den Topf geworfen.

Nennt doch ein paar Namen...
Sascha Vollmer: Johnny Cash, Elvis Presley, AC/DC, Billy Idol, aber auch Nirvana. Es gibt auch tolle Songs und Künstler aus dem Hip-Hop-Bereich oder auch in der Popmusik. Wir versuchen alles zu kreuzen. Das ist unser Geheimrezept: sich nicht so auf eine Stilrichtung spezialisieren, sondern alles zulassen und nach eigenem Gusto und Stil vermischen.
Alec Völkel: Du inspirierst dich auch selber, Album für Album. Du machst eine Platte und lernst dabei viel. Du schreibst Songs, die sich anders anhören als die davor, findest bestimmte Sachen besonders gut und gelungen und arbeitest vermehrt in diese Richtung.

Was war die erste Platte, die ihr euch gekauft habt?
Sascha Vollmer: Elvis Presley. Das war allerdings keine Platte, sondern eine Kassette, die mir mein Vater gekauft hat.
Alec Völkel: Meine erste Platte war Slayer.

Gibt es eine Band, bei der ihr gerne als Vorband auftreten würdet?
Sascha Vollmer: Wir hatten die grosse Ehre, in England mit Motörhead auf Tour zu sein. Das war ein grosser Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Jetzt ist er tot, leider, der Lemmy. Und die meisten, bei denen wir gerne im Vorprogramm wären, sind auch schon tot. Aber Foo Fighters zum Beispiel, mit denen könnten wir mal was machen.
Alec Völkel: Iggy Pop ist super. Es gibt einen Haufen Bands, die wir geil finden und mit denen wir gerne spielen würden, sofern man uns lässt.

Was darf für euch auf einer Tour nicht fehlen?
Sascha Vollmer:
Was wir mitnehmen müssen? Einen Tourmanager… Das ist natürlich wichtig. – Ne, jetzt ernsthaft. Wir sind zehn Leute in der Band mit unseren Bläsern, da kommt auch noch die Crew dazu. Da ist es schon wichtig, dass da jemand den Sack Flöhe hütet. Ansonsten: gute Laune und genügend gute Musik, die ist wichtig für die Stimmung. Wir haben eine Boombox mit Bluetooth-Empfänger dabei, die im Bus oder im Backstage-Bereich steht oder auch an After-Show-Partys zum Zug kommt, wenn keine Anlage vorhanden ist.

Habt ihr auch persönliche Dinge dabei?
Alec Völkel: Einen kleinen Plüschhasen oder so was? Nein, unsere persönlichen Sachen sind unsere Klamotten.
Sascha Vollmer: Unterwäsche und so. Das ist immer sehr persönlich.
Alec Völkel: Sonst nichts Persönliches, auch kein Talisman.

Wo spielt ihr lieber: an kleinen Events oder in grossen Hallen?
Alec Völkel: Wir finden beides super. Die kleinen Clubs haben eine intime Atmosphäre. Es ist sehr kuschelig und familiär. Die Fans stehen direkt vorne an der Bühne und du musst schauen, dass du den Fuss zwischen die Hände kriegst. Aber im Gegenzug ist es genauso geil, an einem Festival oder in einer grossen Halle aufzutreten, wenn 40 000 Menschen schreien und dich anfeuern. Das ist auch ein Gefühl, das du nicht missen möchtest. So ein kleiner Club zwischendurch ist super, weil es einen an früher erinnert und die Band gefühlsmässig zusammenbringt. Auf einer grossen Bühne musst du tierisch arbeiten. Du rennst und hast eine riesige Masse, mit der du gehen kannst. In einem kleinen Club ist es eng, du spielst Körper an Körper, es ist einfach anders.

Sascha Vollmer: Es ist ein wiederkehrender Zyklus, wie die Jahreszeiten. Im Sommer spielen wir an vielen Festivals und teilen uns die Bühne mit vielen anderen Bands. Jetzt im Moment freuen wir uns auf unsere eigene Tour im April. IM Sommer geht dann wieder die Festivalsaison los.

Was ist der Unterschied zwischen einem eigenen Konzert oder einen Auftritt an einem Festival?
Alec Völkel: An einem eigenen Konzert kannst du dich sicher wähnen, weil du weißt dass die Zuschauer wegen euch gekommen sind. An einem Festival hast du diese Sicherheit nicht. Du bist nervöser, versuchst als Band noch mehr Gas zu geben.
Sascha Vollmer: An Festivals stehst du viel weniger lang auf der Bühne und musst daher von Anfang an Vollgas geben.

Wie geht ihr mit Nervosität um?
Alec Völkel: Du gewöhnst dich daran. Es ist zum Glück nicht mehr so katastrophal, wie es ganz am Anfang war. Du lernst, damit umzugehen, denn du weisst, dass die Nervosität nach dem ersten Song nachlässt. Aber eine Grundnervosität bleibt und das ist gut so, dadurch bist du auch fokussiert.

Habt Ihr bestimmte Rituale, bevor ihr auf die Bühne geht?
Alec Völkel: Wir saufen uns so richtig die Hacke dicht… (lacht) Ne, wir bereiten uns vor, werden langsam konzentriert. Als Intro wird immer „Boss Hoss“ von Sonics gespielt. Von diesem Song haben wir auch unseren Namen. Danach kommt unser eigenes Intro. Anschliessend gibts noch einen Schnaps, jeder nimmt jeden in den Arm und los gehts.
Sascha Vollmer: Dann gibt jeder jedem noch einen Kuss ... (beide lachen) Quatsch!

Wie sieht es mit der Motivation an sich aus: Habt ihr Lust, so weiterzumachen?
Alec Völkel: Na ja, wir kriegen es hin, so irgendwie, gerade so. (lacht) So nach zehn Jahren ist das schon anstrengend.
Sascha Vollmer: Die Rente ruft… (grinst)
Alec Völkel: Wir haben Bock!
Sascha Vollmer: Wir haben uns sehr früh für die Musik begeistert. Sie war schon immer unsere Leidenschaft. Wir haben brotlos angefangen. Nicht weil wir das Geld gewittert oder Potenzial gesehen haben, sondern weil es einfach Spass gemacht hat. Und jetzt sehen wir es als Privileg an, dass wir davon leben können.

Gibt es einen Musikpreis, den ihr unbedingt gewinnen möchtet?
Sascha Vollmer: Grammy.
Alec Völkel: Grammy als bester internationaler Newcomer.
Sascha Vollmer: Oder einen Oscar für die beste Filmmusik. Come on!

Was bedeuten euch solche Preise?
Alec Völkel: Wir finden Preise schon gut, aber sie sind nicht das Wichtigste. Wenn ein Album erfolgreich ist, dann ist uns das wichtiger, genauso, dass eine Halle voll ist, wenn wir spielen.
Sascha Vollmer: Solche Preise sind eine symbolische Anerkennung, eine Bestätigung. Einen „Echo“ beispielsweise kriegst du nicht, weil du der Jury gut gefällst, sondern weil du gewisse Verkaufszahlen und Erfolge vorweisen kannst. Wir freuen uns natürlich, wenn wir das zusammen mithilfe der Fans erreichen.

Wo kommen die Preise hin?
Sascha Vollmer: Unser Headquarter in Berlin, wo sich das Studio, das Management und der Proberaum befinden, ist relativ gross. Da hängen die meisten Platten an den Wänden. Wir haben da auch eine Vitrine, wo auch ein paar von Fans gebastelte Sachen und eben einige Preise stehen. Mein „Echo“ steht zu Hause.
Alec Völkel: Ja, zu Hause stehen auch ein paar.

Warum seid nur ihr beide in den Medien zu sehen, obwohl The Boss Hoss eigentlich aus sieben Mitgliedern besteht?
Alec Völkel: Weil wir am besten aussehen…
Sascha Vollmer: Weil wir das am besten können. (beide lachen)
Alec Völkel: Als Frontmann stehst du immer mehr im Fokus. Hinzukommt, dass wir die Band gegründet haben. Sie ist aus unserer Freundschaft und dem gemeinsamen Musizieren entstanden.

Wie bewegt ihr euch als Privatpersonen? Mit Bodyguard? Klebt sich Sascha einen Schnauz auf?
Sascha Vollmer: Neee. Wir wohnen in Berlin. Berlin ist erstens sehr gross und zweitens fällst du da nicht so auf als Person des öffentlichen Lebens. Klar gibt es Einbussen, du wirst erkannt, Fans möchten ein Foto mit dir haben, du gibst Autogramme. Manchmal wirst du auch aufgehalten und dir werden Fragen gestellt, aber Bodyguards brauchen wir zum Glück nicht. Die Leute haben viel mehr Teilnahme durch die „Social Media“-Welt. Die Mystik und der Hype ist längst nicht mehr so, wie in den 60er-Jahren. Es sei denn bei Teenagern, aber das ist ja nicht unsere Zielgruppe.

Wie geht ihr mit Teenagern um? Bei einem festivals.ch-Meet&Greet, das wir mit euch verlosten, haben wir diesen Hype miterlebt.
Alec Völkel: Wir freuen uns, wenn wir den Nachwuchs begeistern können und sie uns nicht alt finden. Also leisten wir auch ein bisschen musikalische Früherziehung. Wenn die Kids ihre Freude an unserer Musik dann mit ins Teenie-Alter nehmen und weitertragen, ist das eine coole Sache.

Ihr seid bei „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“ dabei. Wie habt ihr euch auf dieses Projekt vorbereitet?
Alec Völkel: Üben, üben, üben. Wir müssen die Songs der anderen Künstler performen. Dafür müssen wir schon sehr intensiv proben.
Sascha Vollmer: Erst mal mussten wir alle Songs um arrangieren. Wir covern nicht, wir machen etwas Eigenes aus dem Original. Das hat schon einmal viel Vorbereitungszeit gebraucht. Immerhin sind das sechs Songs. Wir haben Demos aufgenommen und geschaut, wies klingen könnte. Dann kam die zweite Hürde, weil wir normalerweise nicht auf Deutsch singen. Ausser dem Schweizer Sänger Seven, der auf Englisch singt, sind die Lieder auf Deutsch. Das war für uns Neuland und wir wussten nicht, ob wir auf Deutsch überzeugen können. Da mussten wir uns zuerst daran gewöhnen.

Können wir uns nun auf ein Deutsches The Boss Hoss-Album freuen?
Alec Völkel: Nein, nicht zwingend. Für die Show singen wir zwar auf Deutsch und damit haben wir nun unseren Frieden gemacht, aber ob das in unserem Zusammenhang funktioniert?

Auch Sarah Connor hatte so ihre Zweifel, heute steht sie ganz anders zu dieser Thematik...
Sascha Vollmer: Na gut, never say never. Aber wir haben das zurzeit nicht vor. Wir haben zehn Jahre lang Boss Hoss-Historie und nur wegen einer Fernsehshow mit sechs Deutschen Songs müssen wir nicht unbedingt das nächste Album in Deutsch planen. Vielleicht gibt es einmal ein Nebenprojekt, bei dem wir etwas auf Deutsch machen. Aber The Boss Hoss wird auf keinen Fall eine deutschsprachige Band werden.

Zum Abschluss noch die kurioseste Frage eines Fans: Welches Aftershave benutzt ihr?
Alec Völkel: Keins
Sascha Vollmer: Keins.

Oder Parfüm?
Alec Völkel: Ganz unterschiedlich… Das wollen sie wissen?

Und noch ganz viel Anderes, was wir jetzt hier nicht gefragt haben…
Alec Völkel: Also, nix Spezielles, je nach Gusto.
Sascha Vollmer: Ich bin nicht so der Parfum-Typ, Aftershave benutze ich auch nicht. Habe ich mal ausprobiert, aber da wird die Haut so trocken. Alkohol ist auch nicht so toll für die Haut, man sieht dann nicht so nachhaltig jung aus, wie ich es tue… (beide lachen) Ein Deo ist herzlich willkommen. Marke egal, Hauptsache es stinkt nicht und ist nicht zu aufdringlich.

Das war eine Frau, die das gestellt hat…
Alec Völkel: Ist ja legitim.

Vielleicht brauchte sie eine Inspiration für ihren Freund oder Mann…
Alec Völkel: Oder vielleicht wollte sie es sich kaufen und aufs Köpfchen träufeln...