The Drones World Tour

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Muse im Doppelpack

An zwei Abenden hintereinander wollen je 13'000 Menschen Muse sehen. Die britischen Supermusiker konnten das Hallenstadion so schnell ausverkaufen, dass ein Zusatztermin Pflicht war. Die aktuelle Tour wird auf einer runden Bühne in der Hallenmitte dargeboten, natürlich mit viel Schnickschnack und technischen Spielereien. Die Fotos sind vom ersten Konzertabend, der Bericht handelt vom zweiten.

Die holländischen Alternative Rocker von De Staat dürfen für Muse eröffnen. Sie wirken etwas verloren auf dieser grossen Bühne, schlagen sich aber tapfer. Ihre Musik braucht ein bisschen, bis sie ankommt und viele Leute scheint es nicht wirklich zu interessieren. So richtig voll ist die Halle auch noch nicht. Aber für die Band ist es eine gute Gelegenheit, sich Menschen zu präsentieren, die noch nie von ihnen gehört haben. Und der eine oder andere wird sich bestimmt näher mit De Staat beschäftigen wollen. Langsam aber sicher wird es dann doch immer voller, die Autofahrer haben den Stau überwunden und alle warten gespannt auf Muse.

Nach dem kirchenliedmässigen Intro („Drones“) knallt „Psycho“ schön rein, „Reapers“ ebenso. Es folgt eine kleine Begrüssung, kaum drei Worte, aber „Switzerland“ reicht, um die Leute zu erfreuen. Nun kommt bereits die erste Änderung zu gestern: „Resistance“ statt „Plug In Baby“. Muse spielen nicht zweimal hintereinander das gleiche Set. Pluspunkt dafür! Oberhalb der Bühne sind Bildschirme im Kreis angeordnet, auf denen entweder die Bandmitglieder zu sehen sind oder künstlerische Visuals laufen. Dafür werden ab und zu auch halbtransparente Leinwände von der Decke gelassen, die Bilder darauf wirken wie ein Hologramm. Cool ist der Effekt, als projizierte Puppenspielerhände Matthew Bellamy und Bassist Christopher Wolstenholme zu bewegen scheinen. Manchmal ist es aber auch zu viel des Guten, man sieht nur noch kunstvolle Bilder und die Band degradiert sich selbst ein bisschen zur Hintergrundmusik.

Bei „Supermassive Black Hole“ fliegen Drohnen über die Köpfe der Konzertbesucher, zu „Starlight“ dürfen wir mit den Riesenballonen spielen, die mich an Dinosaurier-Eier erinnern. Zum Glück kommen nur Papierschnitzel raus, als sie platzen. „Madness“ bringt das fehlende Gesangstalent in der Menge schonungslos ans Tageslicht. Aber es ist auch schwierig, da nicht mitsingen zu wollen. Nach „Defector“ kommt mit „Time Is Running Out“ wieder ein älterer Song (2003), gefolgt von „Uprising“. Das Volk tobt. Dann wird es ruhiger. Auf der Leinwand formen sich kleine Teile zu Strukturen, ein super Einstieg für das grossartige „The Globalist“. Danach erklingt die Reprise vom Intro und es folgt schon der Zugabenblock. Noch einmal heizen Muse dem Hallenstadion so richtig ein. Vor allem der letzte Song, „Knights Of Cydonia“ bringt die Stimmung noch einmal auf den Höhepunkt.

Ob die Band allerdings selber auch eine solche Freude verspürt, wie der grosse Teil der Zuhörer, sei dahingestellt. Der Funke springt nicht immer, das Feuerwerk hat seine Längen – und damit ist nicht die Konzertlänge gemeint, die mit knapp zwei Stunden okay ist. Zwischen den Songs gibt es manchmal ganz kleine, etwas peinliche Pausen. Matt ist nun mal nicht der grosse Redner und die Leute sind teilweise einfach zu beschäftigt damit, zu staunen. Es gibt aber auch solche, die von dem ganzen Brimborium völlig unbeeindruckt scheinen und nur darauf warten, die Hooklines der grossen Hits fussballstadionmässig mitzugrölen und damit die eigentlichen Helden zu übertönen. Dazu kommt: Das Hallenstadion ist nicht die beste Wahl für Muse, die eine perfekte Akustik verdient hätten, die ihren komplexen Harmonien und Matts grossem Stimmumfang gerecht wird. Wegen dieser Umstände ist das Konzert nicht vollkommen – aber Muse sind immer ein Erlebnis und werden es auch beim nächsten Mal schaffen, Tausende zu begeistern.